Hybride Customer Experience
Das Problem ist nicht "Bot oder Mensch" - sondern schlechter Service. Wer Chatbots ablehnt, tut das selten aus Technikfeindlichkeit. Meist ist es eine Erinnerung an eine bestimmte Art von Service-Erlebnis: Warteschleifen, Weiterleitungen, "Drücken Sie die 3", starrer Entscheidungsbaum, kein Durchkommen. Menschen kennen dieses Gefühl - und genau darum ist der Reflex verständlich: Bitte kein Bot mehr.
Wenn man nüchtern auf die größten Ärgernisse im Service schaut, wird schnell klar, dass es nicht um "digital" versus "menschlich" geht. Es geht um Reibung.
- unprofessionelle oder unfreundliche Interaktionen
- lange Wartezeiten
- fehlende Hilfsbereitschaft/Empathie
- komplizierte IVR-Strukturen
- langsame Problemlösung
- ständige Transfers und das wiederholte Erzählen derselben Geschichte
Das sind keine Randphänomene. Das ist das Kernerlebnis vieler Kunden und damit der Grund, warum schlechter Kundenservice für viele ein legitimer Anlass ist, die Marke zu wechseln.
Service-Frust aus Kundensicht: Welche Aspekte Kunden am dringendsten verbessert sehen möchten | Quelle: Capgemini Research Institute, Unleashing the value of customer service. The transformative impact of Gen AI and agentic AI
Unternehmen spüren denselben Druck - nur mit anderen Symptomen
Das Spannende: Auf Unternehmensseite klingt die Problembeschreibung anders, meint aber dasselbe. Dort ist von steigenden Erwartungen, Effizienzproblemen, unzufriedenen Kunden, fragmentierten Touchpoints, hohen Kosten und demografisch schwer besetzbaren Service-Teams die Rede. Das ist keine Ausrede, das ist ein Systemproblem: Service soll heute schneller, persönlicher, konsistenter und gleichzeitig günstiger sein. In der Praxis bedeutet das häufig: mehr Kanäle, mehr Kontaktgründe, mehr Daten aber keine durchgängige Service-Orchestrierung.
Und genau hier wird "nur Menschen" genauso unrealistisch wie "nur Chatbots":
- Nur Menschen skalieren nicht wirtschaftlich.
- Nur Bots liefern nicht die Qualität, die Kunden in heiklen Momenten erwarten.
GenAI ist der Gamechanger - aber nicht als "FAQ-Automat"
Generative KI und agentenbasierte KI sind Kernelemente eines besseren Kundenservice, der echten Mehrwert schafft.
Warum? Weil GenAI nicht nur Antworten "ausspuckt", sondern Service-Logik verändern kann:
- schnelleres Erfassen des Anliegens (Intent)
- besseres Kontextverständnis
- intelligente Zusammenfassung und Weitergabe an den richtigen Kanal/Agent
- höhere Erstlösungsquote
- Unterstützung der Mitarbeitenden (Wissenszugriff, Formulierung, Dokumentation)
Weltweit haben bereits 86 % der Unternehmen GenAI im Kundenservice implementiert, pilotiert oder evaluieren den Einsatz - der Zug ist also längst abgefahren.
Und das ist auch logisch: Kunden wollen vor allem, dass ihre Probleme schnell und effektiv gelöst werden, genau dort hakt es häufig.
Der Punkt ist: GenAI ist nicht spannend, weil sie "redet wie ein Mensch". Sie ist spannend, weil sie Serviceprozesse entknotet: weniger Transfers, weniger Wiederholung, weniger Wartezeit - mehr Lösung im ersten Kontakt.
Wahrnehmung moderner Chatbots: Zustimmung zu Qualitäts- und Kompetenzverbesserungen in den letzten 1–2 Jahren | Quelle: Capgemini Research Institute, Unleashing the value of customer service. The transformative impact of Gen AI and agentic AI
Chatbots haben sich verbessert - das Misstrauen ist trotzdem real
Viele Diskussionen hängen noch am Bild des alten Chatbots: stumpf, unflexibel, ohne Kontext. Das Problem ist: Dieses Bild ist historisch aber nicht komplett verschwunden. Gleichzeitig zeigt sich: Verbraucher nehmen sehr wohl wahr, dass Chatbots in den letzten ein bis zwei Jahren deutlich besser geworden sind - in Qualität, Zuverlässigkeit und Kontextverständnis. Und trotzdem, mehr als 70 % bevorzugen weiterhin ein menschliches Gegenüber, weil Menschen in Empathie und kreativer Problemlösung überlegen sind.
Das ist kein Widerspruch - das ist die Gebrauchsanweisung:
- Bot für Tempo, Verfügbarkeit, Standardfälle, Navigation, Vorqualifizierung
- Mensch für Komplexität, Eskalation, Emotion, Verantwortung, Kulanz
Hybrider Zustand im Service als optimales Ergebnis | © cybob communication GmbH
Das Ziel: Hybride Customer Experience
Die logische Konsequenz: eine hybride Customer Experience, in dem Menschen und KI-Agenten zusammenarbeiten. Das ist mehr als "wir schalten einen Chatbot live". Das ist Orchestrierung:
- der Bot löst, wenn es ein Standardproblem ist.
- der Bot klärt, wenn Kontext fehlt (ohne zu nerven).
- der Bot übergibt, wenn ein Mensch nötig ist aber so, dass der Mensch nicht bei null anfängt.
- der Mensch entscheidet, wenn es knifflig wird.
- GenAI unterstützt den Menschen bei Wissen, Tonalität, Dokumentation und Next Best Action.
Und ja: Dafür braucht es Hausaufgaben. Unternehmen müssen für eine GenAI-Neugestaltung digitale Lösungen, Geschäftsmodell und Datengrundlage überarbeiten.
Was das für die Praxis bedeutet
Wer heute "Chatbot vs. menschlicher Service" diskutiert, diskutiert eigentlich über drei Dinge:
- Service-Qualität (Kunden)
- Service-Skalierung (Unternehmen)
- Service-Zufriedenheit (Mitarbeitende)
Die beste Lösung ist nicht maximal automatisiert sondern maximal kundenorientiert. Und das bedeutet: Automatisierung dort, wo sie Reibung reduziert, und Mensch dort, wo er Wirkung entfaltet.
Wie cybob den kompletten Prozess abdeckt
Genau an diesem Punkt wird es operational: Ein hybrides Modell entsteht nicht durch Tool-Auswahl, sondern durch ein sauberes End-to-End-Vorgehen. cybob unterstützt im Rahmen des Komplettprozesses typischerweise in fünf Bausteinen:
- Analyse & Service-Strategie
Identifikation der wichtigsten Kontaktgründe, Pain Points und Automatisierungspotenziale, inkl. Zielbild für den hybriden Betrieb. - Conversational Design (Chat & Voice)
Aufbau natürlicher Dialoge, die nicht wie „Menü in Textform“ wirken, sondern echte Gesprächslogik haben, inkl. Tonalität, Fallbacks und Eskalationspfaden. - Technische Umsetzung & Integration
Anbindung an CRM, Ticketing, Wissensdatenbanken und Identity damit Bots nicht nur "reden", sondern lösen können. - Human Handover & Agent Enablement
Nahtlose Übergabe Bot zu Mensch mit Kontext, Zusammenfassung und Next Steps, plus GenAI-Assistenz für Mitarbeitende. - Monitoring & Optimierung
Qualität messbar machen, Dialoge verbessern, Inhalte pflegen, Modellauswahl feinjustieren.
Fazit
Kunden wollen nicht „einen Bot“ – und sie wollen auch nicht „immer einen Menschen“.
Sie wollen guten Service: schnell, wirksam, verständlich, empathisch. Genau deshalb ist das Ziel kein Entweder-oder, sondern ein hybrides Service-Modell, das Menschen stärkt und Automatisierung sinnvoll einsetzt.